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03.01.2016

Dem Schmerz auf der Spur

Der Anästhesist Dr. Marcus Schley ist der erste Mediziner an der Geomed-Klinik, der die Lehrbefähigung an einer Universität hat. Die Hohe Medizinische Fakultät Mannheim der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg hat ihn jetzt für das Fach Anästhesiologie habilitiert. In Mannheim wird Schley als Privatdozent Seminare halten, Medizinstudenten Prüfungen abnehmen und Doktoranden betreuen.

Der Geomed-Klinik wird Marcus Schley trotzdem nicht verloren gehen. Er wird weiter in Gerolzhofen als Chefarzt der Anästhesie arbeiten. Hier wird er auch in Zukunft die praktischen Erfahrungen sammeln, die er in der Forschung und Lehre weiterverarbeitet. Sein Arbeitgeber, der Landkreis Schweinfurt, hat ihm dafür fünf Tage Sonderurlaub gewährt. Der Mediziner will seinen Urlaub und den anfallenden Zeitausgleich aus der Arbeit am Geomed für die Wissenschaft einsetzen.

Zeit seines Berufslebens interessiert sich Schley für das Phänomen Schmerz und die Vielfalt einer Ursachen. So ist es denn kein Wunder dass seine 450 Seiten starke Habilitationsschrift den Titel „Translationale Schmerzforschung: vom Tiermodell zur Patientenstudie“ trägt. Acht Jahre hat er neben seinem Beruf für diese Arbeit geforscht. Eine Habilitationsschrift stellt die höchste Stufe der Hochschulschriften dar und verlangt die komplexe Darstellung eines Themas mit eigenen Forschungsergebnissen.

In Schleys Arbeit geht es – stark verkürzt dargestellt – um die Übersetzung der Grundlagenforschung auf direktem Weg in die angewandte Schmerztherapie. Die Betonung liegt hier auf „direkt“, denn in der klassischen Medizin geht in den Augen von Marcus Schley zu viel verloren auf dem Weg von der Forschung zur angewandten Medizin.

Bei einem Sonnenbrand, so erklärt der 43-jährige Mediziner, sei die Ursache des Schmerzes klar und sichtbar. Die Haut ist gerötet, überwärmt und geschwollen. Es handelt sich um einen Entzündungsschmerz. Schwieriger wird die Ursachenforschung beim chronischen Schmerz ohne typische, sichtbare Zeichen. Woher kommt zum Beispiel der Amputationsschmerz oder Phantomschmerz, den Patienten in gar nicht mehr vorhandenen Körperteilen empfinden?

Eine interdisziplinäre Forschungsgruppe aus Ärzten, Biologen, Physiologen, Chemikern und Psychologen, in der Marcus Schley mitarbeitete, hat herausgefunden, dass der neuropathologische Schmerz von verletzten Nerven verursacht wird.

Verantwortlich für den Schmerz sind Umbauprozesse im Nerv. Durch diesen anatomisch-molekularen Umbau bekommt der Nerv eine andere Oberfläche. Dieser Versuch der Wiederinstandsetzung des Nervs bringt dessen Übersensibilisierung mit sich und damit den Schmerz. „Der Volksmund hat also recht, wenn er von einem dünnen Nervenkostüm spricht“, sagt Schley.

Obwohl er für seine Habilitation einen Forschungsbeitrag erbringen musste, sieht sich der Mediziner doch eher als Praktiker. Und hier ist er wieder beim Geomed. Eine kleine Klinik wie die in Gerolzhofen habe den großen Vorteil, dass seine Arbeit eine Arbeit der kurzen Wege und der schnellen Entscheidung ist.

Zugute komme ihm auch das interdisziplinäre Arbeiten mit den Kollgen aus der Inneren Medizin oder der Chirurgie. „Hier stehen wir im persönlichen Austausch, in einer großen Klinik müsste ich Briefe schreiben“, sagt Schley.

Um überhaupt zur Habilitation zu kommen, musste der Arzt zum einen wissenschaftliche Veröffentlichungen in Fachzeitschriften nachweisen und eine bestimmte Zahl an Doktorarbeiten, die er betreut hat. Erst dann kommt die Zulassung zur Abschlusshabilitation. Schließlich musste er noch eine öffentliche Antrittsvorlesung in Mannheim halten.

Auch hier ging es um den Schmerz. „Multimodale Schmerztherapie bei neuropathologischen Schmerzsyndromen“ hieß der Titel. Abermals hat Schley seine Erkenntnisse aus der täglichen Praxis am Geomed verarbeitet und darüber berichtet. Multimodal heißt schließlich, dass verschiedene Disziplinen bei der Schmerztherapie zusammenwirken. „Die anderen Professoren fanden es schon erstaunlich, was da qualitativ und quantitativ an einer kleinen Klinik geleistet werden kann“, berichtet Schley.

Apropos Professor: Dieser Titel wäre der nächste und letzte Schritt auf dem akademischen Weg, den Marcus Schley noch gehen könnte. Ob er es eines Tages tut, weiß er noch nicht. Als Ziel bleibt ihm die Professur aber vor Augen. Dazu müsste er allerdings regelmäßig Studenten unterrichten und Neues publizieren. Einfacher wäre da der Ruf als Professor an eine Universität. Dann allerdings ginge er dem Geomed verloren.

Quelle und Bilder: Mainpost



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